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Police Bay: Eine Entscheidung, die unser Vermächtnis prägen wird

  • 13. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Juli

Von Ralph Almeida

 

In jedem Land gibt es Orte, die niemals allein anhand ihres kommerziellen Werts bewertet werden sollten.

 

Police Bay ist einer davon.

 

Es ist einer der letzten noch weitgehend unberührten Küstenabschnitte auf den Seychellen – ein Ort, an dem mächtige Wellen auf uralte Vegetation treffen, an dem Feuchtgebiete still und leise die Arbeit verrichten, die die Natur über Jahrtausende hinweg perfektioniert hat, und an dem künftige Generationen noch erleben können sollten, wie die unberührten Seychellen einst aussahen.

 

Heute steht diese bemerkenswerte Landschaft an einem Scheideweg.

 

Bei der Diskussion um das geplante Hotelprojekt in Police Bay geht es nicht nur um Tourismus. Es geht darum, welche Art von Nation wir werden wollen.

 

Seit Jahrzehnten präsentieren sich die Seychellen stolz als weltweit führend im Umweltschutz. Wir haben über 30 % unseres Meeresgebiets unter Schutz gestellt, nachhaltigen Tourismus gefördert, uns auf internationalen Klimakonferenzen leidenschaftlich zu Wort gemeldet und uns als Hüter eines der einzigartigsten Inselökosysteme der Welt positioniert.

 

Diese Verpflichtungen stehen nun vor einer wichtigen Bewährungsprobe.

 

Feuchtgebiete werden oft missverstanden, weil sie ruhig und unscheinbar wirken. Dabei gehören sie zu den wertvollsten Ökosystemen der Erde. Sie nehmen auf natürliche Weise Hochwasser auf, filtern Schadstoffe, füllen das Grundwasser wieder auf, bieten Lebensraum für unzählige Arten und speichern erhebliche Mengen an Kohlenstoff, die andernfalls zum Klimawandel beitragen würden.

Sind diese Ökosysteme einmal gestört oder zerstört, lassen sie sich nicht einfach durch das Pflanzen einiger Bäume oder die Landschaftsgestaltung rund um ein Hotel wiederherstellen. Die Natur funktioniert nach Zeiträumen, die sich in Jahrhunderten messen lassen, nicht nach Bauzeitplänen.

 

Die Frage, die sich uns stellt, geht daher weit über die Frage hinaus, ob ein Hotel gebaut werden kann.

 

Die Frage ist, ob an diesem konkreten Standort überhaupt gebaut werden sollte.


Die Seychellen brauchen zweifellos Investitionen.

Wir brauchen hochwertigen Tourismus.

Wir brauchen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Wir brauchen Deviseneinnahmen.

Diese Ziele stehen außer Frage.

 

Bei wahrhaft nachhaltiger Entwicklung geht es jedoch darum, die richtige Entwicklung am richtigen Ort zu wählen. Nicht jede schöne Küstenlinie sollte zu einer Baustelle werden. Manche Orte gewinnen gerade deshalb an Wert, weil sie unberührt bleiben.

 

Weltweit erkennen immer mehr Länder, dass der Schutz natürlicher Ressourcen kein Hindernis für wirtschaftliches Wachstum ist – sondern eine Investition in langfristigen Wohlstand. Besucher reisen immer weitere Strecken, um authentische, unberührte Landschaften zu erleben. Sind diese Landschaften erst einmal verschwunden, können sie nie wieder zu der Attraktion werden, die sie einst waren.

 

Police Bay ist einer der wenigen verbliebenen Orte, an denen die Seychellen noch zeigen können, dass Naturschutz mehr ist als nur ein Slogan.

 

Es lohnt sich auch zu fragen, ob alle denkbaren Alternativen bereits umfassend geprüft wurden.

Könnten Investitionen in zuvor gestörte oder ungenutzte Gebiete fließen?

Könnte die bestehende touristische Infrastruktur saniert werden, anstatt in empfindliche Ökosysteme zu expandieren?

Könnte Police Bay stattdessen zu einem Vorzeigeprojekt für Naturschutz und Ökotourismus werden, das wirtschaftlichen Wert schafft und gleichzeitig seine ökologische Integrität bewahrt?

Dies sind keine Fragen, die sich gegen die Entwicklung richten. Es sind Fragen der nationalen Planung.


Keine Regierung, kein Investor, keine Umweltorganisation und kein Bürger kann Police Bay ersetzen.

Sie gehört gleichermaßen den heutigen Seychellois wie auch den noch ungeborenen Generationen.

Eines Tages werden unsere Kinder und Enkelkinder fragen, welche Entscheidungen wir getroffen haben, als wir davor standen.

Werden sie ein weiteres Luxusbauprojekt erben, das auch anderswo hätte errichtet werden können?

Oder werden sie eines der letzten unberührten Küstenfeuchtgebiete im Indischen Ozean erben?


Die Geschichte erinnert sich selten daran, wie schnell ein Projekt genehmigt wurde.

Sie erinnert sich daran, ob eine Nation die Weisheit besaß, das zu bewahren, was niemals ersetzt werden kann.

Vielleicht ist das die eigentliche Entscheidung, vor der die Seychellen heute stehen.

Nicht, ob wir bauen können. Sondern ob wir es tun sollten.

Denn wenn das Meisterwerk der Natur einmal verschwunden ist, kann kein Architekt es jemals wiederherstellen.

 

Gespräche, die zählen

Autor: Ralph Almeida

Fotos: Ralph Almeida, Friends of Aldabra, Marina Germain



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